Der Flecken Bovenden möchte diesen Teil seiner Geschichte zum Anlass nehmen, um Kontakte mit der Gemeinde Gernika-Lumo zu knüpfen und gemeinsame Formen der Erinnerung an die Bombardierung von Gernika zu entwickeln. Dies soll zunächst durch einen Brief von Rat und Verwaltung an den Bürgermeister und den Rat von Gernika-Lumo geschehen.

Begründung:

Am 26. April 1937 wurde die Stadt Gernika im Baskenland von Kampfflugzeugen der deutschen Legion Condor angegriffen. Die Nationalsozialisten attackierten Gernika, um den faschistischen Truppen um General Francisco Franco im Bürgerkrieg beizustehen.

Mehrere hundert Menschen fielen dem heimtückischen Angriff zum Opfer, darunter überwiegend Zivilisten. Der völkerrechtswidrige Angriff auf Gernika war das erste große Flächenbombardement auf eine europäische Stadt und wurde zum Symbol für die Sinnlosigkeit des Krieges. Pablo Picasso widmete den Geschehnissen sein weltberühmtes Gemälde „Guernica“, welches heute im Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofía in Madrid ausgestellt ist.

Dieses Ereignis von welthistorischer Bedeutung nahm seinen Anfang unmittelbar vor unserer Haustür: Es sollen in der Munitionsanstalt in Lenglern fertiggestellte Bomben gewesen sein, die am 26. April 1937 auf Gernika geworfen wurden (Quelle: Gustav Meier in: „Lenglerner Kalender 2012 – Die dunkle Seite der ,Lieth´“). Dieser Umstand sollte für unsere Gemeinde Mahnung und Auftrag zugleich sein.

Mit dem vorliegenden Antrag möchten wir eine Kontaktaufnahme zwischen den Gemeinden Bovenden und Gernika-Lumo initiieren und diese auf einer breiten und parteiübergreifenden Unterstützung aufbauen.

In Zeiten, in denen die letzten Zeitzeugen des Zweiten Weltkriegs versterben und die Idee eines geeinten und friedlichen Europas durch populistische Tendenzen auf unserem Kontinent auf dem Spiel steht, streben wir die Entwicklung einer gemeinsamen Erinnerungskultur an.

Die Möglichkeiten einer Partnerschaft und Freundschaft mit Gernika sind vielfältig. Sie reichen von symbolischen Solidaritätsbekundungen wie einer Trauerbeflaggung vor dem Rathaus am 26. April über gegenseitige Besuche von Einwohnergruppen bis hin zu einer Einbeziehung der IGS Bovenden in das Projekt, beispielsweise durch eine Thematisierung des Bombenangriffs auf Gernika und der Munitionsanstalt in Lenglern im Geschichtsunterricht oder durch die Entwicklung eines Schüleraustausches mit Gernika.

Diese und viele weitere Ideen zur Aufarbeitung unserer Geschichte können und sollen nicht abschließend durch den vorliegenden Antrag definiert und im Detail ausgearbeitet werden. Vielmehr wollen wir getragen von einem breiten Konsens im Gemeinderat die Hand nach Gernika ausstrecken und die Grundlage für eine freundschaftliche Partnerschaft in der Zukunft legen.

Eine weitere Begründung erfolgt mündlich.